Es liegt uns besonders am Herzen, die Wissenschaft für die Öffentlichkeit interessant und zugänglich zu machen. Deshalb informieren wir regelmäßig über unsere neuesten Forschungsergebnisse in Form von Pressemitteilungen, Forschungsnachrichten oder öffentlichen Veranstaltungen. Sie können sich über die Forschungsergebnisse unter Einbeziehung von Tieren informieren oder bei Veranstaltungen direkt mit den Wissenschaftlern diskutieren. Bei unseren Führungen können Sie das Institut kennenlernen.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und die von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen getragene Informationsplattform „Tierversuche verstehen“ riefen im Juli 2021 die „Initiative Transparente Tierversuche“ ins Leben. Darin erklären Forschungseinrichtungen aus dem Bereich der Lebenswissenschaften, transparent über Tierversuche zu informieren, den öffentlichen Dialog über tierexperimentelle Forschung aktiv mitzugestalten sowie untereinander Erfahrungen auszutauschen und Aktivitäten bekanntzumachen. Zu den über 50 Erstunterzeichnenden der Initiative gehören Universitäten, Kliniken, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, forschende Unternehmen sowie Fachgesellschaften und Förderorganisationen, darunter auch das Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden.

Wenn Sie Fragen zu unserer Forschung mit Versuchstieren haben, wenden Sie sich bitte an unser Büro für Öffentlichkeitsarbeit.

Angehörige des Instituts über Versuchstiere in der Forschung

„Als Zellbiologe bin ich daran interessiert zu verstehen, wie eine Zelle auf der mechanistischen Ebene organisiert ist und funktioniert. Ich unterstütze die Forschung an in vitro kultivierten Zellen sehr, um das Leben von Tieren zu schützen. Viele grundlegende Mechanismen sind mithilfe solcher Systeme aufgeklärt worden. Tierversuche sind jedoch nach wie vor unverzichtbar, um zu verstehen, wie Zellen in einem Gewebe oder Organ funktionieren, um die Physiologie eines Organismus zu erforschen und neue Therapien zu entwickeln. Solche Fragen lassen sich ohne Untersuchungen  an Tiermodellen nicht beantworten. Die Vision ist jedoch, Beobachtungen in Zellsystemen anhand von Tiermodellen zu verifizieren, um den Bedarf an weiteren Tierversuchen zu verringern. Dieser Ansatz erfordert eine genaue, quantitative, umfassende und systematische Analyse, um zelluläre und tierexperimentelle Modelle zu vergleichen und die maximale Menge an Informationen zu gewinnen, die notwendig sind, um funktionelle Vorhersagen zu treffen. Nur durch einen solchen Vergleich wird es möglich sein, zelluläre und theoretische Modelle zu entwickeln, die den Bedarf an Tierversuchen in Zukunft verringern können.“

Prof. Dr. Marino Zerial
Direktor
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„Mit der Entwicklung von organoiden Modellen als dreidimensionalen Kultursystemen, die den Zellen unseres Körpers ähnlicher sind, können wir die Zahl der von uns eingesetzten Tiere reduzieren. Ich freue mich, mit meinem Team zu diesen Entwicklungen beizutragen und auch wissenschaftliche Fragen direkt mit menschlichen Zellen zu stellen. Wir verwenden diese Systeme häufig, um Fragen im Zusammenhang mit der Entwicklung der Bauchspeicheldrüse und mit Krankheiten, einschließlich Diabetes, zu untersuchen. Wir müssen dennoch vorsichtig sein, da sich die Zellen in vitro nicht in ihrer natürlichen Umgebung befinden, sondern in einem künstlichen Nährmedium und isoliert von anderen Organen, mit denen sie normalerweise kommunizieren. Letztendlich ist das Testen von Hypothesen im Tier (oder eventuell im Menschen) noch immer sehr wichtig, auch wenn wir jetzt weniger Tiere verwenden können, weil wir vorher umfangreichere und bessere Tests in vitro durchgeführt haben.“

Dr. Anne Grapin-Botton
Direktorin
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„In den letzten zehn Jahren leisteten wir Pionierarbeit in der Entwicklung von 3D-in-vitro-Kulturen, den sogenannten Organoiden, die viele Aspekte der Physiologie und Pathophysiologie des Gewebes in einer Zellkulturschale nachahmen. Organoide helfen uns dabei, Tierversuche zu vermeiden, zu vermindern und zu verbessern, wofür sie bereits mehrere 3R-Preise erhielten. Es gibt jedoch noch kein ex-vivo-System, einschließlich Organoiden, mit dem man die Mechanismen der Geweberegeneration in vivo und im Kontext des gesamten Organismus umfassend verstehen kann. Daher sind Tierversuche bis heute unumgänglich, wenn wir ein umfassendes Wissen und Verständnis der Genfunktion, Physiologie und Pathologie während der Geweberegeneration erreichen wollen.“

Dr. Meritxell Huch
Lise Meitner Max Planck Gruppenleiterin
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„Für mich als Mediziner und Arzt ist es völlig unverständlich, wie man die Forderung nach einem Verzicht auf Tierversuche erheben kann. Tierversuche sind absolut unverzichtbar, wenn man wirksame Therapien für menschliche Krankheiten entwickeln will. Dafür sind nicht nur Versuche an Mäusen notwendig, sondern insbesondere auch Versuche an nicht-menschlichen Primaten müssen hierfür zunehmend durchgeführt werden.“

Prof. Dr. med. Wieland B. Huttner
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„Eine korrekte Wachstumskontrolle ist entscheidend, um bei allen Tieren die richtige Organgröße und -form zu erhalten, da übermäßiges oder unzureichendes Wachstum die Organfunktionen beeinträchtigt. Wir haben uns für den Zebrafisch als einem niederen Wirbeltiermodellorganismus entschieden, um zu untersuchen, wie die Zellvermehrung und damit das Wachstum gesteuert wird, um verletzte Organe präzise aufzubauen und wiederherzustellen. Da es sich bei der Organentwicklung und -regeneration um komplexe Prozesse handelt, die mehrere regulatorische Wachstumsimpulse erfordern, lassen sie sich nicht in anderen Systemen als in Tieren nachbilden.“

Dr. Rita Mateus
Gruppenleiterin
Physics of Life Excellence Cluster, TUD & Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„Komplexe Gewebe, wie der Schädel, bestehen aus verschiedenen Materialien mit unterschiedlichen Verhaltensweisen der Zellen, die alle zusammenarbeiten müssen, um ein Organ zu bilden. Diese dreidimensionale Natur der Organbildung ist in vitro, also in der Petrischale, schwer zu reproduzieren, da nur wenig darüber bekannt ist, wie die einzelnen Zelltypen entstehen oder Schicksalsentscheidungen während der Entwicklung getroffen werden.  Wenn wir die Komplexität biologischer Systeme verstehen wollen, müssen wir Modellsysteme verwenden, bei denen diese Komplexität für den Aufbau von Organen genutzt wird. Daher ist die Maus nach wie vor das am besten geeignete Säugetiermodell, um das Knochengerüst zu verstehen.“

Dr. Jaqueline Tabler
Gruppenleiterin
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„Ich entwickle seit vielen Jahren Tiermodelle für die biomedizinische Forschung, weil wir den Organismus in seiner Gesamtfunktion verstehen müssen. In diesem Zusammenhang zielt jeder technologische Wandel in der Methodik darauf ab, die Zahl der Versuchstiere zu reduzieren. Wir konnten eindrucksvoll zeigen, wie sich eine effiziente Routine und der Einsatz neuester Techniken auf die Zahl der Tiere auswirken können. Daran werden wir konsequent weiterarbeiten.“

Ronald Naumann
Head of the Transgenic Core Facility
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik


„Die Herstellung von monoklonalen Antikörpern wurde vor mehr als 40 Jahren entwickelt. Seither wurden viele Verbesserungen vorgenommen, sodass die eigentliche Produktion monoklonaler Antikörper längst nicht mehr im Tierversuch, sondern in Zellkulturanlagen erfolgt. Die ursprünglichen Zellen, die für diese – heute oft rekombinanten – monoklonalen Antikörper kodieren, stammen in ihrer überwiegenden Mehrheit noch aus experimentellen Immunisierungen. Trotz aller Bemühungen, vollständig „synthetische“ Antikörper herzustellen, liefert das natürliche tierische Immunsystem immer noch Antikörper von weitaus besserer Qualität. Daher halte ich Tierimmunisierungen derzeit noch für unverzichtbar.“

Dr. Patrick Keller
Leader, Antibody Facility
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik