Jesse Veenvliet erhält GSCN 2026 Young Investigator Award

Vom Zellverständnis zur Therapie

Jesse Veenvliet © Katrin Boes / MPI-CBG

Mit den GSCN Awards 2026 zeichnet das German Stem Cell Network (GSCN) drei herausragende Forschungsleistungen und Persönlichkeiten aus, die zeigen, wie vielfältig und zukunftsweisend Stammzellforschung sein kann. Was die diesjährigen Preisträger*innen verbindet, ist der Blick über die Grenzen einzelner Disziplinen hinaus: Sie wollen verstehen, wie Zellen ihre Identität entwickeln und bewahren, wie Gewebe und Organe entstehen – und wie sich dieses Wissen für die Medizin nutzen lässt.

Maike Sander verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit herausragender Verantwortung in der Wissenschaftsleitung und ist damit zugleich ein wichtiges Vorbild für Frauen in der Forschung.

Jesse Veenvliet erforscht als Nachwuchswissenschaftler grundlegende Mechanismen der Zell- und Organentwicklung und eröffnet neue Perspektiven auf die Entstehung komplexer biologischer Systeme.

Annika Zink und Alessandro Prigione zeigen mit ihrer in „Cell“ veröffentlichten Arbeit, wie patientenbasierte Stammzellmodelle die Suche nach Therapien für seltene Erkrankungen beschleunigen können. Ihre Forschung reicht dabei vom iPS-Zellmodell über Hirnorganoide und Wirkstoffscreenings bis hin zu ersten individuellen Behandlungen von Patienten mit Leigh-Syndrom.

Die drei ausgezeichneten Wissenschaftler*innen stehen damit beispielhaft für eine Forschung, die Grundlagen verstehen, neue Wege eröffnen und konkrete Veränderungen ermöglichen will. Die GSCN-Preisträger*innen 2026 präsentieren ihre Forschung und ihre Perspektiven auf der GSCN Conference 2026 in Berlin.

Der GSCN 2026 Young Investigator Award geht an Jesse Veenvliet vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.

Der GSCN 2026 Hilde Mangold Award geht Maike Sander vom Max Delbrück Center in Berlin.

Der GSCN 2026 Publication of the Year Award geht an Annika Zink, Alessandro Prigione, Ole Pless, Markus Schuelke, Annika Wittich et.al. für die Publikation „Pluripotent stem-cell-based screening uncovers sildenafil as a mitochondrial disease therapy” in Cell am 19. März 2026.

Über die Preisträger*innen

Jesse Veenvliet, Forschungsgruppenleiter am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden, erhält den GSCN 2026 Young Investigator Award. Mit der Auszeichnung würdigt das German Stem Cell Network einen herausragenden Nachwuchswissenschaftler, dessen innovative Arbeit mit stammzellbasierten Modellen grundlegende Prinzipien der Embryonalentwicklung von Säugetieren untersucht. Jesse Veenvliet erforscht, wie sich Zellen während der frühen Entwicklung selbst organisieren und daraus die Strukturen und Körperachsen eines Embryos entstehen. Dafür entwickelt sein Team stammzellbasierte Embryomodelle, mit denen sich zentrale Prozesse der Entwicklung unter kontrollierten Bedingungen im Labor untersuchen lassen. Sein Ziel ist es zu verstehen, wie ein komplexer Organismus aus wenigen Zellen entsteht. Besondere Aufmerksamkeit erhielt seine Forschung durch die Entwicklung von stammzellbasierten, rumpfähnlichen Strukturen sowie von Strategien zur Identifizierung und Steuerung der biologischen Prozesse, die der phänotypischen Variation in Embryomodellen zugrunde liegen. Dies trägt dazu bei, diese Systeme reproduzierbarer und embryoähnlicher zu gestalten. Neuere Arbeiten seiner Gruppe verbinden Stammzellbiologie mit Bildanalyse, Omics, Systembiologie und biophysikalischen Ansätzen, um zu verstehen, wie robust und zugleich variabel embryonale Entwicklung von Säugetieren sein kann. Der Fokus liegt dabei auf dem physiologischen Mikromilieu.

Zu Jesse Veenvliet:
Jesse Veenvliet leitet seit 2021 eine Max-Planck-Forschungsgruppe am MPI-CBG und ist zudem mit dem Exzellenzcluster Physics of Life der TU Dresden und dem Center for Systems Biology Dresden verbunden. 2025 wurde er in das EMBO Young Investigator Programme aufgenommen. Neben seiner Forschung engagiert er sich intensiv für den gesellschaftlichen und ethischen Dialog über stammzellbasierte Embryomodelle und deren verantwortungsvollen Einsatz.

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Maike Sander, wissenschaftliche Vorständin des Max Delbrück Center in Berlin, erhält den GSCN 2026 Hilde Mangold Award. Mit der Auszeichnung würdigt das German Stem Cell Network GSCN eine international herausragende Forscherin, deren Arbeiten wesentlich zum Verständnis der Entwicklung und Funktion insulinproduzierender Betazellen beigetragen haben, sowie ihre herausragende Rolle als Wissenschaftsmanagerin und Führungspersönlichkeit.
Maike Sander hat mit ihrer Forschung grundlegende Erkenntnisse über die Entwicklung der Bauchspeicheldrüse, die Plastizität von Betazellen und regenerative Strategien für Diabetes gewonnen. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Frage, wie sich Betazellen aus Stammzellen erzeugen und für zukünftige therapeutische Anwendungen nutzen lassen. Neben ihrer wissenschaftlichen Arbeit engagiert sich Sander in besonderer Weise für die Gestaltung und Weiterentwicklung der biomedizinischen Forschung. Sie ist die Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende des Max Delbrück Center in Berlin. Zugleich ist sie Vizepräsidentin der Helmholtz-Gemeinschaft für den Forschungsbereich Helmholtz Health, in dem die Expertise von mehr als 9.000 Forschenden und Fachleuten aus sechs Helmholtz-Gesundheitszentren gebündelt wird.
Mit ihren wissenschaftlichen Erfolgen und ihrem großen Engagement als wissenschaftliche Vorständin verkörpert Maike Sander eine besondere Verbindung von exzellenter Forschung und institutioneller Verantwortung. Als erfolgreiche Forscherin und Wissenschaftsmanagerin ist sie zugleich ein wichtiges Vorbild für Frauen in der Wissenschaft und zeigt, wie wissenschaftliche Exzellenz mit Führungsverantwortung und der Gestaltung der Zukunft der Wissenschaft Hand in Hand gehen kann.

Zu Maike Sander:
Maike Sander studierte Medizin an der Universität Heidelberg und schloss ihre wissenschaftliche Ausbildung an der University of California, San Francisco (UCSF) ab. Nach Stationen an der University of California, Irvine, und der University of California, San Diego (UCSD), wo sie ein international renommiertes Forschungsprogramm zur Biologie und Regeneration insulinproduzierender Betazellen aufgebaut hatte, kehrte sie 2022 nach Deutschland zurück. Ihre Forschung hat wesentlich zum Verständnis der Entwicklung und Plastizität von Betazellen sowie zu neuen Strategien für die Regeneration und Behandlung von Diabetes beigetragen. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen erhielt sie unter anderem den Humboldt-Forschungspreis, den Grodsky Award der Juvenile Diabetes Research Foundation und den Albert Renold Prize 2022 der European Association for the Study of Diabetes. Sie ist Mitglied renommierter wissenschaftlicher Akademien und Gesellschaften, darunter der Leopoldina und EMBO. Seit November 2022 ist sie Wissenschaftliche Vorständin und Vorstandsvorsitzende des Max Delbrück Center in Berlin. Seit 2025 ist Maike Sander zudem Vizepräsidentin der Helmholtz-Gemeinschaft für den Forschungsbereich Helmholtz Health und gestaltet damit die strategische Entwicklung der Gesundheitsforschung in der Helmholtz-Gemeinschaft mit.

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Der GSCN 2026 Publication of the Year Award geht an Annika Zink, Alessandro Prigione, Ole Pless, Markus Schuelke, Annika Wittich et. al. für ihre 2026 in Cell veröffentlichte Arbeit „Pluripotent stem-cell-based screening uncovers sildenafil as a mitochondrial disease therapy“. Die Studie zeigt eindrucksvoll, wie patientenbasierte Stammzellmodelle dazu beitragen können, neue Therapieoptionen für seltene Erkrankungen zu identifizieren und Erkenntnisse aus dem Labor bis zur Anwendung bei Patient*innen zu führen. Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Leigh-Syndrom, eine schwere erbliche Mitochondrien-Erkrankung, die meist im Kindesalter auftritt. Bislang gibt es keine zugelassene medikamentöse Therapie. Eine besondere Herausforderung bei seltenen Erkrankungen wie dem Leigh-Syndrom ist zudem die geringe Zahl an Patient*innen und geeigneten Krankheitsmodellen.

Das internationale Forschungsteam nutzte deshalb induzierte pluripotente Stammzellen (iPS-Zellen) von Patient*innen, um Nervenzellen und dreidimensionale Hirnorganoide herzustellen und mit mehr als 5.500 Wirkstoffe zu testen. Dabei identifizierten die Forschenden PDE5-Hemmer und schließlich Sildenafil als besonders vielversprechenden Kandidaten. Besonders bemerkenswert ist der Weg von der Stammzellforschung zur klinischen Anwendung: Sildenafil wurde im Rahmen individueller Behandlungsversuche bei sechs Patient*innen mit Leigh-Syndrom eingesetzt. Die Studie berichtet Verbesserungen der motorischen Funktion und eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber metabolischen Krisen. Auf Grundlage der Ergebnisse erhielt Sildenafil von der Europäischen Arzneimittel-Agentur eine Orphan Drug Designation; als nächster Schritt ist eine multinationale, placebokontrollierte klinische Studie vorgesehen.
Mit dem GSCN 2026 Publication of the Year Award würdigt das GSCN damit eine Arbeit, die exemplarisch für das Potenzial moderner Stammzellforschung steht: Patientenspezifische Zellmodelle ermöglichen es, Krankheitsmechanismen zu untersuchen, Wirkstoffe systematisch zu testen und daraus neue therapeutische Perspektiven für bislang schwer behandelbare Erkrankungen zu entwickeln.

Link zur Publikation „Pluripotent stem-cell-based screening uncovers sildenafil as a mitochondrial disease therapy“ in Cell 189(6), 1656–1679.e42, DOI 10.1016/j.cell.2026.02.008.

 

Weitere Informationen zu den GSCN-Auszeichnungen und den Preisträger*innen finden Sie hier:
www.gscn.org/scientific-resources/german-stem-cell-network-awards

Die drei GSCN-Preise sind mit jeweils 1.500 Euro dotiert und die Preisträger*innen werden am Donnerstag, 10. September 2026, auf der GSCN Konferenz in Berlin einen Vortrag im Rahmen des Presidential Symposiums halten.