Otto-Hahn-Medaille für drei Forschende am MPI-CBG

Auszeichnung der Max-Planck-Gesellschaft für begabten Forschungsnachwuchs

Bild links: André Nadler, Kristin Böhlig, Asifa Akhtar (MPG-Vizepräsidentin) Bild Mitte: Jan Brugués, Alison Kickuth, Asifa Akhtar (MPG-Vizepräsidentin) Bild rechts: Giulio Zucal Copyright Bilder links und Mitte: © Bettina Ausserhofer / MPG Copyright Bild rechts: © David Ausserhofer / MPG

Seit 1978 verleiht die Max-Planck-Gesellschaft jährlich die Otto-Hahn-Medaille an Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler für herausragende Forschungsleistungen, meist im Zusammenhang mit ihrer Promotion. Die Otto-Hahn-Medaille ist mit einem Preisgeld von 7.500 Euro dotiert und soll besonders begabte Personen dazu motivieren, eine akademische oder wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen.

Zwei der diesjährigen Preisträger haben ihre Doktorarbeit am oder in Verbindung mit dem Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) durchgeführt. Ein Preisträger forscht derzeit am MPI-CBG und hat seine Promotion am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI MIS) in Leipzig absolviert.

Kristin Böhlig, eine der Preisträgerinnen, promovierte in der Forschungsgruppe von André Nadler am MPI-CBG. Sie erhält die Medaille für ihre Doktorarbeit zum Thema „ „Diacyl- and ether-lipid probes for mechanistic analysis of lipid transport, metabolism and lipid-protein interactions.“ Kristin sagt: „Während meiner Promotion haben wir eine neue Technik zum Sichtbarmachen einzelner Lipide entwickelt. Mithilfe einer neuen chemischen Markierungsmethode konnten wir erkennen, wo sich bestimmte Lipide befinden und wie sie in den Zellen transportiert werden. Mit unserer neuen Methode konnten wir die Frage beantworten, wie Zellen bestimmte Lipide zu den Membranen ihrer Zielorganellen transportieren, und wir konnten zeigen, dass der nicht-vesikuläre Lipidtransport durch Proteine der primäre Mechanismus ist, der die Membranzusammensetzung bestimmter Organellen aufrechterhält. Ich fühle mich sehr geehrt, die Otto-Hahn-Medaille für meine Arbeit zu erhalten. Besonders möchte ich mich bei meinem Betreuer, Dr. André Nadler, für seine Unterstützung und bei meinen Kollegen für die tolle Teamarbeit während meiner Promotion bedanken.” Kristin arbeitet nun als Postdoktorandin am Lehrstuhl für Chemische Biologie der Fakultät für Chemie und Lebensmittelchemie der TU Dresden. 

Alison Kickuth, die zweite Preisträgerin, arbeitete in der Gruppe von Jan Brugués, Forschungsgruppenleiter am Exzellenzcluster „Physik des Lebens“ der TU Dresden und Fellow am MPI-CBG. Für ihre Doktorarbeit zum Thema “The Physical Mechanism of Unilateral Cytokinesis” erhielt Alison eine der diesjährigen Otto-Hahn-Medaillen. Sie sagt: „Während meiner Promotion fand ich es faszinierend, wie embryonale Zellen es schaffen, sich zuverlässig zu teilen, selbst wenn ihnen das geometrische Umfeld des Lebens scheinbar entgegenwirkt. Ich hatte die Gelegenheit, mit biophysikalischen Methoden zu untersuchen, wie ein unvollständiger Kontraktionsring – eine temporäre Zellstruktur, die eine sich teilende Zelle in zwei Tochterzellen ‚zusammenkneift‘ – die Zellteilung in frühen Zebrafischembryonen dennoch vorantreiben kann. Wir haben einen mechanischen Ratschenmechanismus entdeckt, bei dem das Zytoplasma zwischen starren und flüssigen Zuständen wechselt. Dadurch kann ein Kontraktionsring ohne offene Enden die Zelle schrittweise teilen. Unsere Arbeit löst ein grundlegendes physikalisches Problem in der Entwicklung von Wirbeltieren.“ Alison arbeitet nun als Postdoktorandin am MRC Laboratory of Molecular Biology (LMB) in Cambridge, Großbritannien.

Giulio Zucal, ein ELBE-Postdoktorand betreut von Türkü Özlüm Çelik und Stephan Grill am MPI-CBG und am Zentrum für Systembiologie, erhielt ebenfalls eine Otto-Hahn-Medaille für seine Doktorarbeit. Er fertigte seine Dissertation mit dem Titel „Kontinuierliche Methoden für diskrete Strukturen“ am Max-Planck-Institut für Mathematik in den Naturwissenschaften (MPI MiS) in Leipzig an. Giulio arbeitet auf dem Gebiet der Mathematik und deren Anwendungen in der Biologie und Datenwissenschaft. In seiner Doktorarbeit entwickelte er rigorose mathematische Werkzeuge zur Untersuchung der Struktur und der zugrunde liegenden Geometrie von Netzwerken, wobei er auf Ideen an der Schnittstelle zwischen der kontinuierlichen und der diskreten Ebene zurückgriff. Am MPI-CBG konzentriert sich seine Forschung auf zufällige diskrete Strukturen, Netzwerkdynamik, spektrale Hypergraphtheorie und die Untersuchung des Proteinsequenzraums. „Ich möchte mich bei all den tollen Menschen bedanken, die mich auf meinem Weg zur Promotion unterstützt haben: meiner Familie, meinen Freunden, Betreuern, Mentoren und Kooperationspartnern. Ihre kontinuierliche Unterstützung, verbunden mit dem inspirierenden Umfeld am MPI MiS, hat diese Auszeichnung möglich gemacht“, sagt Giulio.

Die Medaillen wurden anlässlich der Jahrestagung der Max-Planck-Gesellschaft am 17. Juni 2026 in Frankfurt am Main verliehen.
Herzlichen Glückwunsch!

Mit der Otto-Hahn-Medaille ehrt die Max-Planck-Gesellschaft seit 1978 jährlich bis zu 30 junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen. Benannt ist die Auszeichnung nach dem deutschen Chemiker und Nobelpreisträger Otto Hahn (1879-1968), der von 1948 bis 1960 Präsident der MPG war.

News-Artikel des MPI MiS

Liste aller Preisträgerinnen und Preisträger