Professor Anthony Hyman ist neues Mitglied der Leopoldina

Dresdner Zellbiologe in die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina aufgenommen

Prof. Dr. Anthony Hyman © Sven Döring

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat den Dresdner Zellbiologen Prof. Dr. Anthony Hyman zu ihrem Mitglied gewählt. Hyman ist derzeitiger geschäftsführender Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG). In der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina sind Forscher und Forscherinnen mit besonderer Expertise in ihren jeweiligen Fachgebieten vereinigt. Kriterium für die Aufnahme sind herausragende wissenschaftliche Leistungen. Die Wahl in die Riege der Leopoldina gilt als eine der höchsten Auszeichnungen für Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen.

Die Leopoldina zeichnete Anthony Hyman für seine hervorragenden Leistungen auf dem Gebiet der Zellbiologie aus und wählte ihn in die Sektion Genetik / Molekularbiologie und Zellbiologie. Zu seinen bedeutendsten Leistungen gehört die funktionale Genomforschung an Embryonen des Fadenwurms C. elegans. Hier hat er das erste Genom-weite RNA-Screening durchgeführt, mit dem das Genom systematisch untersucht wird. Hyman hat die Zellteilung im Embryo des Fadenwurms umfassend beschrieben und die entscheidenden Gene für diesen Prozess identifiziert. Als Hyman gemeinsam mit Clifford Brangwynne und Frank Jülicher am Physiologie Kurs von Woods Hole unterrichtete, beobachtete er als einer der Ersten, wie Zellen Phasenseparation nutzen, um flüchtige, nicht membrangebundene Unterkompartimente zu bilden. Wenn man versteht, warum und wie sich diese Kompartimente bilden und auch was passiert, wenn Fehler bei dieser Bildung unterlaufen, könnten neurodegenerative Erkrankungen in Zukunft besser zu verstanden werden.

Anthony Hyman ist einer der Gründungsdirektoren des MPI-CBG. 2007 wurde er zum Fellow der Royal Society gewählt und 2011 mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2017 erhielt er die Schleiden-Medaille der Leopoldina und 2020 wurde er zum internationalen Mitglied der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften gewählt. Gemeinsam mit Clifford Brangwynne erhielt er den 2021 HFSP Nakasone Award.

„Die Aufnahme in die Leopoldina ist eine große Ehre für mich“, sagt Anthony Hyman. „Ich freue mich auf die Chance, mein Wissen für die Beratung von Politik und Öffentlichkeit einzubringen.“ Neben Hyman sind die ehemaligen MPI-CBG-Direktoren Prof. Dr. med. Wieland Huttner, Prof. Dr. Elisabeth Knust und Prof. Dr. Kai Simons ebenfalls Mitglieder der Akademie, ebenso wie Prof. Dr. Eugene Myers, einer der derzeitigen Direktoren.

Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7-Gipfel. Sie hat 1.600 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Pro Jahr werden etwa 50 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in einem mehrstufigen Auswahlverfahren auf Lebenszeit in die Akademie gewählt. Seit Gründung der Akademie wurden mehr als 7.000 Persönlichkeiten in ihre Reihen aufgenommen. Dazu gehörten unter anderem Marie Curie, Charles Darwin, Albert Einstein, Johann Wolfgang von Goethe, Alexander von Humboldt, Justus von Liebig und Max Planck.